Die EU will die Gesetze schwächen, die uns schützen.
800.000 Hektar Fläche In Bayern sind Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Seit über 30 Jahren schützen die FFH- und Vogelschutz-Richtlinien wertvolle Lebensräume – und damit auch unsere Lebensgrundlagen, bei uns in Bayern und in ganz Europa.
Doch genau diese Schutzregeln geraten aktuell unter Druck: Auf EU-Ebene gibt es Bestrebungen, wichtige Naturschutzgesetze zugunsten kurzfristiger Wirtschaftsinteressen aufzuweichen. Wir sagen: Hände weg von der Natur!
Hände weg von der Sandgrube Schachendorf! Der Schutz unserer Amphibien ist mehr denn je eine gemeinsame Aufgabe von Naturschutz, Politik und Gesellschaft ist. „Denn wenn die Kinderstuben unserer Frösche und Molche austrocknen, verlieren wir nicht nur die Tiere, sondern ein Stück biologische Vielfalt unserer Heimat,“ so die Biotopkoordinatorin Karola Jackisch von unserer Kreisgruppe Cham.
Hände weg von unseren Auwäldern am Inn! Das FFH-Gebiet „Innauen und Leitenwälder“ schützt rund 1.500 Hektar Wald. Die Auwälder speichern Wasser, bieten zahlreichen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum und sind Teil einer wichtigen Verbindungsachse zwischen den Alpen und der Donau. Der Inn ist damit ein bedeutender Wanderkorridor für Arten im europäischen Biotopverbund Natura 2000.
Hände weg vom Blumenberg Fellhorn im Oberallgäu! Das Fellhorn ist ein Hotspot der Artenvielfalt: Hier wachsen alpine Arnikawiesen, Moore und Alpenrosengebüsche – Lebensräume, die über Jahrtausende entstanden sind. Gefährdete Tierarten wie Birkhuhn, Alpensalamander, Waldbirkenmaus und zahlreiche bedrohte Tagfalter finden hier einen Rückzugsort. Allein zwölf verschiedene Enzian-Arten kommen am Fellhorn vor, und auch Murmeltiere fühlen sich wohl. Teile des Gebietes sind durch Natura 2000 besonders geschützt. Doch genau diese wertvollen Lebensräume geraten zunehmend unter Druck: Neue Skipisten, Beschneiungsanlagen und weitere Infrastruktur für den Skitourismus greifen immer stärker in die alpine Natur ein.
Hände weg von den Streuobstwiesen! Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Streuobstwiesen zwischen Erbig und Bischberg“ südlich von Aschaffenburg ist ein besonders vielfältiger Lebensraum: Blütenreiche Wiesen bieten Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Nahrung. In alten Obstbäumen finden Vögel wie der Steinkauz Höhlen, um ihre Eier abzulegen und ihre Jungen aufzuziehen.
Hände weg vom Weißen-Regen-Tal! „Oberlauf des Weißen Regens bis Kötzting mit Kaitersbachaue“ zählt zu den wertvollsten Naturschätzen des ostbayerischen Grenzgebirges und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Doch dieser wertvolle Naturraum ist bedroht: Die Staatsstraße St2140 zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen soll möglicherweise auf die bislang weitgehend unberührte Talseite verlegt werden. Rund 15 Hektar Naturfläche könnten dadurch unter Asphalt verschwinden. Eine neue Straße mit Brücke, tiefen Einschnitten und massiven Dämmen würde die Landschaft zerschneiden, Lebensräume zerstören und die Artenvielfalt gefährden. Seit fast 18 Jahren setzen sich Bürger*innen, Anlieger und Umweltverbände für den Erhalt des Weißen-Regen-Tals ein.
Hände weg vom Feldhamster! Den Feldhamster gibt es in Bayern nur noch in den Regionen Würzburg, Schweinfurt und Kitzingen. Immer weniger geeignete Lebensräume und die starke Nutzung landwirtschaftlicher Flächen haben seine Bestände stark zurückgedrängt. Die FFH-Richtlinie der EU ist deshalb für den Schutz des Feldhamsters von zentraler Bedeutung. Sie schützt die Tiere und ihre Lebensräume und trägt dazu bei, dass der possierliche Nager bei uns überhaupt noch eine Zukunft hat.
Hände weg von den Schlämmteichen bei Regensburg! 15 Jahren wurde um den Erhalt der Schlämmteiche bei Regensburg als Biotop vieler seltener und geschützter Tierarten und als wichtige Klimafläche gerungen. In diesem Jahr wurde der Bebauungsplan gerichtlich für unwirksam erklärt.
Hände weg vom Oberen Isartal! Das Obere Isartal war in der Vergangenheit immer wieder bedroht, aktuell besonders durch den zunehmenden Nutzungsdruck. Nur der hohe Schutz, den die europäischen Regeln gewährleisten, habe dafür gesorgt, dass sich die verschiedenen Interessens- und Nutzergruppen des Gebiets an einen Tisch gesetzt haben, um nun gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten und den Druck auf das geschützte Gebiet zu reduzieren.
Hände weg von den Pichlberger Weihern bei Wiesenfelden! Das Gebiet gehört zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Aus ehemals intensiv genutzten Weihern ist nach Aufgabe der Nutzung ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstanden. Der Biber hat als „Ökosystem-Manager“ vielfältige Lebensräume geschaffen und hält das Wasser in der Landschaft. Heute finden hier unter anderem auch gefährdete Arten wie Fischotter, Eisvogel, Große Teichmuschel oder Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling einen geschützten Lebensraum.
Hände weg vom Ismaninger Speichersee! Der Speichersee Ismaning und die angrenzenden ehemaligen Fischteiche bilden seit 2000 das EU-Vogelschutzgebiet „Ismaninger Speichersee und Fischteiche“. Der Speichersee wurde 1929 künstlich angelegt und dient der Stromgewinnung am Mittleren Isarkanal und gemeinsam mit der Kette von Teichen auch der Nachklärung der Münchener Abwässer. Im Juli, der Hochsaison, tummeln sich hier bis zu 50.000 bis 60.000 Wasservögel am Tag. Auch als Rast-, Überwinterungs- und Brutgebiet ist der Speichersee von großer Bedeutung.
Hände weg von der Hurlacher Heide! Die Hurlacher Heide bei Kaufering ist als FFH-Gebiet Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Sie gehört zu den letzten verbliebenen Lechheiden zwischen Augsburg und Landsberg. Auf den nährstoffarmen Böden wachsen zahlreiche seltene Pflanzen – darunter verschiedene Orchideenarten. Auch viele seltene Heuschrecken und Schmetterlinge finden hier einen wertvollen Lebensraum.
Hände weg vom Lauterachtal! Das Lauterachtal ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Das Tal ist geprägt von nährstoffarmen und trockenen Böden. Solche Böden brauchen sogenannte Halbtrockenrasen, das sind artenreiche, blütenbunte Wiesen. Davon profitieren zahlreiche bedrohte Schmetterlingsarten und seltene Arten wie die Große Hufeisennase und die Zauneidechse, aber auch Landwirt*innen, Landschaftspfleger*innen und alle Menschen, die das Gebiet zur Erholung besuchen.
Hände weg vom Staatswald bei Teublitz! Hier soll für ein Industrie- und Gewerbegebiet gerodet werden – obwohl das höchste bayerische Verwaltungsgericht den Bebauungsplan schon einmal für rechtswidrig erklärt hat. Doch statt den Schutz der Natur ernst zu nehmen, will die Stadt Teublitz an den Planungen festhalten. Dabei ist der Wald mehr als nur Fläche: Er erfüllt wichtige Funktionen für Kleinklima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt, und ist ein wichtiger Rückzugsort für uns Menschen.
Hände weg von der frei fliessenden Donau! Wir haben uns über viele Jahre für die Rettung der frei fließenden Donau eingesetzt und mit Erfolg die geplanten Staustufen verhindern können. Die Schätze der Donau sind deswegen kein Zufall. Sie sind das Ergebnis eines Naturschutzes, der die konsequente Einhaltung der gesetzlichen Regeln einfordert.
Hände weg von unserer Landschaft! Bei Stocka im Markt Rohr in Niederbayern sollen bis zu 38 Hektar Ackerfläche und Landschaft für ein Amazon Logistikzentrum versiegelt werden.
„Hands Off Nature“ ist eine europaweite Bündnispetition. Sie wird vom Umweltdachverband Europäisches Umweltbüro (EEB) sowie den NGO BirdLife, ClientEarth und WWF koordiniert. Die Petition richtet sich an diverse Entscheidungsträger*innen der EU, die an der geplanten Deregulierung beteiligt sind: an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den EU-Kommissionsmitgliedern Valdis Dombrovskis, Jessika Roswall, Christophe Hansen und Stéphane Séjourné sowie an alle Staatsoberhäupter und Umweltminister*innen der 27 EU-Mitgliedstaaten.